Stundenschlag ACHT

Vor rund zwölftausend Jahren wurden die Menschen sesshaft. Und damit erfolgte die Eroberung der Welt. Dass diesem Eroberungswillen auch die Grenzen unseres Planeten keinen Einhalt gebieten können, bewiesen jüngst das Artemis-Programm mit seinen Flügen zum Mond und der erklärte Wille, den Mars für die Menschheit in Besitz zu nehmen. Dass langfristig auch weiter entfernt liegende Planeten und rohstoffreiche Monde ins Visier dieser Doppelgier nach Mehr und Weiter geraten werden, führt uns Nikolai von Michalewsky in der Mark-Brandis-Reihe deutlich vor Augen, u.a. anhand der Geschichte und Entwicklung der Gesellschaft VEGA, der Venus-Erde Gesellschaft für Astronautik. Die VEGA ist in seinen Erzählungen nicht nur die Weltraumbehörde der EAAU, das Entwicklungslabor für schnelle Raumschiffe, die Werkstätte und der TÜV für Prototypen, sondern steht auch gemeinsam mit der SR (Strategische Raumflotte) für die Erforschung und Sicherung der ‚Verkehrs‘-Wege der Menschheit zwischen ihren Niederlassungen im Sonnensystem.

Die Vorläufer der Raum- und Frachtschiffe, die die Lieferketten und logistischen Netzwerke in der Mark-Brandis-Welt aufrechterhalten, sind nichts anderes als eine Extrapolation unserer heutigen Container- und Tankschiffe, die die irdischen Weltmeere befahren, und natürlich der Millionen von LKWs auf den Autobahnen, weiterhin der Güterzüge und… der Pferdefuhrwerke, Handkarren und letztlich der vielen Frauen und Männer, die auch in unseren Tagen als Träger für Lasten herhalten müssen, die sie wie vor zehntausend Jahren auf ihren Köpfen balancieren.

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Stundenschlag SIEBEN

Die Menschheit musste einen langen Weg zurücklegen, bevor sie die in den letzten Stundenschlag-Beiträgen behandelte Overview-Erfahrung machen konnte. Viel Zeit war seit den Frühmenschen vergangen, bis die Jetztmenschen überhaupt zum ersten Mal vom Weltraum aus auf ihren Heimatplaneten starren konnten. Legen wir im Folgenden einmal versuchsweise einen Zeitstrahl auf das, was wir Fortschritt nennen.

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„Woran du glaubst …“ — Biographien (3): Norma Bowe

Dass eine Krankenschwester nicht wegsieht, wenn jemand Hilfe braucht, sehen wir sozusagen als selbstverständlich. Es ist ihr Job.

Aber wir gehen auch davon aus, dass das willkommen ist. Ein Konsens in unserer Gesellschaft. „Lassen Sie mich durch, ich bin Sanitäter“ ist ein Satz, der nach unserem Verständnis wohl kaum ein „Nee, ich lasse Sie nicht durch, wo kämen wir denn da hin?“ auslösen würde.

Die Frage wird interessant, wenn Helfen nicht nur brüsk zurückgewiesen wird, sondern aktive Gegenwehr hervorruft. Was dann? Wie würde man als Person, die die Notwendigkeit von Hilfe sieht und sie aktiv anbietet, dann handeln?

Norma Bowe ist Krankenschwester und Großmutter. Ihre mobile Gesundheitsstation erreicht Menschen, die sonst medizinische Hilfe oft nicht bekämen: vor dem Abschiebegefängnis Delaney Hall in Newark versorgt sie Angehörige von Inhaftierten, Unterstützer und die Menschen, die für viele längst nur noch politisches Streitmaterial ist.

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Stundenschlag SECHS

Würde es wohl einen Unterschied machen, wenn der nächste G7-Gipfel nicht mehr auf der Erde, sondern im Orbit oder auf dem Mond stattfände? Hätte der Overview-Effekt einen entscheidenden Einfluss auf solche Gespräche, würde der Blick wirklich geweitet, würden die Dimensionen unseres Handelns auf dem Planeten Erde tatsächlich klarer realisiert?
Vom Weltraum aus gesehen erscheint unsere Heimatwelt dem Betrachter „leuchtendblau wie ein Saphir und mit weißen Wolkenfeldern übersät, vor dem Hintergrund von Myriaden glitzernder Sterne“. .

Peter Dubina: Entscheidung im Weltraum, Stuttgart 1975, S. 117

Wenn schon der Overview-Effekt, den Astronauten bereits erleben, wenn sie nur im Orbit bei ihren schnellen Umkreisungen auf die Erdoberfläche blicken, aus eben diesen Astronauten schwärmerische Dichter machen kann (vgl. Stundenschlag FÜNF), also ehemalige Militärpiloten, Materialwissenschaftler und im Grunde doch eher nüchtern eingestellte Zeitgenossen in Menschen verwandelt, die sich plötzlich in einen Planeten in seiner Gesamtheit verlieben, dann hätte sich doch inzwischen – nicht nur für die Astronauten – etwas… ja, wie könnte man es anders sagen, verändern müssen.

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Stundenschlag FÜNF

Ich hatte vor langer Zeit das Glück, auf einer Sternwarte in eine Planetariumsführung zu geraten, wo man ein Programm zum Thema ‚Overview‘ realisierte. Darin wurde das Erleben der Raumfahrer im Orbit, also „Wie die Erfahrung des Weltraums das menschliche Wahrnehmen, Denken und Handeln verändert“, in deren eigenen Worten in deutscher Übersetzung nachgesprochen und konnte so unter dem Planetariumshimmel zu sphärischen Musikclustern mitvollzogen werden. – Eine zwar vermittelte aber dennoch wirksame Form der Aneignung von Fremderfahrungen in den eigenen Erfahrungshorizont mit dem Potential, auch das Wahrnehmen, Denken und Handeln derer zu verändern, die nie in den Orbit geflogen waren. Nur nebenbei bemerkt: Dies ist auch ein sprechendes Beispiel für ein im Sinne des Kulturerbe-Status der UNESCO inspirierendes und begeisterndes Planetariumsprogramm; bestimmt haben es viele als eine überfällige Anerkennung empfunden, als im Frühjahr 2025 die weltweit in Planetarien geleistete Arbeit zur „immersiven Vermittlung der Natur und des Universums“ in das immatrielle Kulturerbe der Menschheit aufgenommen wurde.

Hier folgen einige Zitate von Astronautinnen und Astronauten, die damals – zumindest was die Apollo-Besatzungen betrifft – Teil des ‚Overview‘-Programms in jenem Planetarium waren.

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Rückübersetzt aus dem Chinesischen … wie bitte?

Noch zu Lebzeiten Nikolai von Michalewskys war ein Vertrag ausgehandelt worden, der dem “Children’s Publishing House” in Peking erlaubte, 10 Bücher der MB-Reihe ins Chinesische zu übersetzen. Auf der entsprechenden Seite dazu schrieb ich, dass markbrandis.de keine Sinologen beschäftige — aber inzwischen ist das ja kein Hindernis mehr, KI sei Dank.

Aber etwas erstaunt ist man schon über die Freiheit der Übersetzung der ersten Seite von „Bordbuch Delta VII“, oder?

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