Die Serie Mark Brandis war eine Auftragsarbeit — vergeben vom Lektor des Herder-Verlags an einen erfahrenen und zuverlässigen Autor, der aus seiner Perspektive der Aufgabe gewachsen sein würde, Weltraumgeschichten für Jugendliche zu schreiben, die dem Ansehen des renommierten katholischen Verlagshauses keine Schande machen würde. Und das, obwohl Nikolai von Michalewsky mit Zukunftsgeschichten keine Erfahrung und auch nichts am Hut hatte.
Er war Profi (und hatte eine Familie zu ernähren), deswegen machte er sich auch als Profi an die Arbeit. Den klassischen Ratschlag an Generationen junger Autoren, „schreib über das, was du kennst“, nahm er sich zu Herzen und schrieb über das, was er kannte: die Seefahrt. Um sie in den Weltraum zu verlegen, änderte er nicht viel; und den Ehrgeiz, zukünftige Technik vorherzusagen, besaß er nicht. Das erklärte einerseits die unbestrittene Schwäche der Mark-Brandis-Romane: die Technik. Ihre Beschreibung wirkte mehr gegenwärtig als zukünftig, klar unterworfen dem Diktat der Geschichten, die sich immer schon um Anderes drehten. Und das ist andererseits genau der Grund, weswegen sie ihren Reiz nicht verloren haben: es geht nicht um „die Gesellschaft der Zukunft“, nicht um „außerirdische Gesellschaftskonzepte“. Es geht um die Fragen, die das Menschsein begleiten. Was macht es aus, Mensch zu sein? Wie wichtig ist der sprichwörtliche morgendliche Blick in den Spiegel?
„Woran du glaubst, dafür sollst du leben und sterben“, das ist keine SF. Dieser Leitsatz könnte genauso gut eine Geschichte von Dumas dem Älteren begleiten, oder die Master & Commander-Geschichten von Patrick O’Brian.
Spielt es also keine Rolle, ob Mark Brandis SF ist?
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