Stundenschlag SECHS

Würde es wohl einen Unterschied machen, wenn der nächste G7-Gipfel nicht mehr auf der Erde, sondern im Orbit oder auf dem Mond stattfände? Hätte der Overview-Effekt einen entscheidenden Einfluss auf solche Gespräche, würde der Blick wirklich geweitet, würden die Dimensionen unseres Handelns auf dem Planeten Erde tatsächlich klarer realisiert?
Vom Weltraum aus gesehen erscheint unsere Heimatwelt dem Betrachter „leuchtendblau wie ein Saphir und mit weißen Wolkenfeldern übersät, vor dem Hintergrund von Myriaden glitzernder Sterne“. .

Peter Dubina: Entscheidung im Weltraum, Stuttgart 1975, S. 117

Wenn schon der Overview-Effekt, den Astronauten bereits erleben, wenn sie nur im Orbit bei ihren schnellen Umkreisungen auf die Erdoberfläche blicken, aus eben diesen Astronauten schwärmerische Dichter machen kann (vgl. Stundenschlag FÜNF), also ehemalige Militärpiloten, Materialwissenschaftler und im Grunde doch eher nüchtern eingestellte Zeitgenossen in Menschen verwandelt, die sich plötzlich in einen Planeten in seiner Gesamtheit verlieben, dann hätte sich doch inzwischen – nicht nur für die Astronauten – etwas… ja, wie könnte man es anders sagen, verändern müssen.

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Stundenschlag FÜNF

Ich hatte vor langer Zeit das Glück, auf einer Sternwarte in eine Planetariumsführung zu geraten, wo man ein Programm zum Thema ‚Overview‘ realisierte. Darin wurde das Erleben der Raumfahrer im Orbit, also „Wie die Erfahrung des Weltraums das menschliche Wahrnehmen, Denken und Handeln verändert“, in deren eigenen Worten in deutscher Übersetzung nachgesprochen und konnte so unter dem Planetariumshimmel zu sphärischen Musikclustern mitvollzogen werden. – Eine zwar vermittelte aber dennoch wirksame Form der Aneignung von Fremderfahrungen in den eigenen Erfahrungshorizont mit dem Potential, auch das Wahrnehmen, Denken und Handeln derer zu verändern, die nie in den Orbit geflogen waren. Nur nebenbei bemerkt: Dies ist auch ein sprechendes Beispiel für ein im Sinne des Kulturerbe-Status der UNESCO inspirierendes und begeisterndes Planetariumsprogramm; bestimmt haben es viele als eine überfällige Anerkennung empfunden, als im Frühjahr 2025 die weltweit in Planetarien geleistete Arbeit zur „immersiven Vermittlung der Natur und des Universums“ in das immatrielle Kulturerbe der Menschheit aufgenommen wurde.

Hier folgen einige Zitate von Astronautinnen und Astronauten, die damals – zumindest was die Apollo-Besatzungen betrifft – Teil des ‚Overview‘-Programms in jenem Planetarium waren.

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Rückübersetzt aus dem Chinesischen … wie bitte?

Noch zu Lebzeiten Nikolai von Michalewskys war ein Vertrag ausgehandelt worden, der dem “Children’s Publishing House” in Peking erlaubte, 10 Bücher der MB-Reihe ins Chinesische zu übersetzen. Auf der entsprechenden Seite dazu schrieb ich, dass markbrandis.de keine Sinologen beschäftige — aber inzwischen ist das ja kein Hindernis mehr, KI sei Dank.

Aber etwas erstaunt ist man schon über die Freiheit der Übersetzung der ersten Seite von „Bordbuch Delta VII“, oder?

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Stundenschlag VIER

Die Astronauten von Apollo 17 schenkten der Menschheit ein ganz besonderes Foto. Eines, das Dinge in Bewegung brachte und eine Entwicklung in Gang setzte, die noch lange nicht zu Ende gekommen ist. Ein Foto, das dem Betrachter so wirkmächtig entgegentritt, dass es zu einer Veränderung seiner Weltsicht, seiner Vorstellung von der Welt und von sich selbst kommen kann: Ein bisher in seiner Vorstellung subjektiv existierender Ort, nämlich die Erde als Planetenkörper im Sonnensystem, springt plötzlich mit all seiner ganzen manifesten Realität ins Bewusstsein des Betrachters: Das Foto der vollen Erde vom 7.12.1972 vermag eine Fremderfahrung derart intensiv gegenwärtig zu setzen, dass sie einer eigenen Erfahrung gleichkommt. Denn der Erkenntnisgewinn, den es induziert, führt beim Betrachter wie schon bei den Astronauten, zu einer vergleichbaren Erweiterung eigener Vorstellungswelten, quasi zu einem Aufsprengen bisheriger Wahrnehmungsmuster und festgefahrener Perspektiven.

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Stundenschlag DREI

US-Präsident John F. Kennedy hat Anfang der sechziger Jahre die Ressorts, die für Raumfahrt zuständig waren, auf Vollgas geschaltet. Und die Raketenbauer ließen sich das nicht zweimal sagen. Eine Eroberung ohne Beispiel nahm damals ihren Anfang. Man will es eigentlich nicht glauben, dass das alles (nur) dem nationalen Ansehen, dem technischen Fortschritt, der Wissenschaft, einem gewissen Eroberungswillen, kurz: dem alten Prinzip Citius-Altius-Fortius, geschuldet sein soll. Fast verzweifelt möchte man fragen, ob hier nicht im Sinne von Nikolai von Michalewsky eine Weiterentwicklung der Menschheitsfamilie, eine Zunahme an Geschwisterlichkeit inbegriffen gewesen sein könnte. Vielleicht ein ganz klein wenig? Stöbert man in der jüngeren Geschichte, fällt in dieser Richtung nicht viel auf. Leider. Allenfalls einige Strömungen der Umweltbewegung und natürlich die New Age-Bewegung.

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Ist Mark Brandis wirklich SF?

Die Serie Mark Brandis war eine Auftragsarbeit — vergeben vom Lektor des Herder-Verlags an einen erfahrenen und zuverlässigen Autor, der aus seiner Perspektive der Aufgabe gewachsen sein würde, Weltraumgeschichten für Jugendliche zu schreiben, die dem Ansehen des renommierten katholischen Verlagshauses keine Schande machen würde. Und das, obwohl Nikolai von Michalewsky mit Zukunftsgeschichten keine Erfahrung und auch nichts am Hut hatte.

Er war Profi (und hatte eine Familie zu ernähren), deswegen machte er sich auch als Profi an die Arbeit. Den klassischen Ratschlag an Generationen junger Autoren, „schreib über das, was du kennst“, nahm er sich zu Herzen und schrieb über das, was er kannte: die Seefahrt. Um sie in den Weltraum zu verlegen, änderte er nicht viel; und den Ehrgeiz, zukünftige Technik vorherzusagen, besaß er nicht. Das erklärte einerseits die unbestrittene Schwäche der Mark-Brandis-Romane: die Technik. Ihre Beschreibung wirkte mehr gegenwärtig als zukünftig, klar unterworfen dem Diktat der Geschichten, die sich immer schon um Anderes drehten. Und das ist andererseits genau der Grund, weswegen sie ihren Reiz nicht verloren haben: es geht nicht um „die Gesellschaft der Zukunft“, nicht um „außerirdische Gesellschaftskonzepte“. Es geht um die Fragen, die das Menschsein begleiten. Was macht es aus, Mensch zu sein? Wie wichtig ist der sprichwörtliche morgendliche Blick in den Spiegel?

„Woran du glaubst, dafür sollst du leben und sterben“, das ist keine SF. Dieser Leitsatz könnte genauso gut eine Geschichte von Dumas dem Älteren begleiten, oder die Master & Commander-Geschichten von Patrick O’Brian.

Spielt es also keine Rolle, ob Mark Brandis SF ist?

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