SALOMON 26 (1) — Wie man einen KI-Text erkennt

„Salomon 76“ ist einer der Mark-Brandis-Bände, der sich unter Brandis-Fans großer Beliebtheit erfreut, der aber nicht in Hörspielform adaptiert wurde. Statt dessen, sozusagen 50 Jahre später, soll „Salomon 26“ jetzt als Kategorietitel für eine Artikelreihe stehen, die sich mit Besonderheiten von „Künstlicher Intelligenz“ beschäftigt.

Anlass für diesen Artikel ist ein Posting in einem Hörspielforum. Dort hatte ein produktiver Hörspielrezensent eine Porträtartikelreihe gestartet, die sich mit markanten Hörspielcharakteren beschäftigt. Einer davon war Mark Brandis.

Natürlich war ich neugierig. Nicht, dass ich erwartet hatte, etwas Neues zu erfahren, aber eine individuelle Meinung lese ich immer gern: was sieht der Autor des Artikels als „das Besondere“, weswegen der Charakter eine Würdigung verdient?

Das als Header gepostete KI-Porträt von Mark Brandis hätte mir eine Warnung sein müssen:

Ein völlig generisch gutaussehender athletischer Held in einem Phantasiekostüm in einem Raumschiff im Orbit über einem Planeten mit einem sehr merkwürdigen Mond. Das hätte auch Nathan West aus Space 2063 sein können. Oder einer der Piloten aus Galactica 1980. Etwas vorsichtig geworden, begann ich zu lesen; aber die Lektüre war eine Enttäuschung. Und da ich seit einigen Jahren im IT-Designsektor arbeite und tiefere Einblicke gewonnen habe, wie „K.I.“ funktioniert, hatte ich den Grund schnell ausgemacht: der Autor hatte sich den Artikel von einem LLM schreiben lassen. Und das hatte auf meinen Cousin, Hörspiel-Coproduzent Jochim, die gleiche Wirkung wie auf mich:

KI eben. Es entsteht dadurch gerade überall so eine öde Mittelmäßigkeit. Muss dann immer an die grauen Männer aus Momo denken, die einem einfach nur die Zeit stehlen. Es fehlt mir die Motivation, einen dreiseitigen Text zu lesen, den eine KI innerhalb von Sekunden ausgespuckt hat.

Wie entsteht diese Wirkung? LLMs sind nicht intelligent, sie haben keine eigene Meinung. Sie sind Aggregatoren, die aus verschiedenen Quellen im Internet sowie aus ihren Trainingsdaten etwas zusammenstellen, von dem sie hoffen (?), dass es den Auftraggeber zufriedenstellt. Das, was neben Recherche und damit Sachkenntnis die Qualität eines Artikels ausmacht, die individuelle Perspektive, fehlt.

Entsprechend öde liest sich das. Und das macht ihn zum Teil des Slop-Phänomens, das zunehmend das Internet überflutet: sinnlose, inhaltlose Texte, die einen Zweck erfüllen, der aber mit „Mehrwertgewinnung“ jenseits des Geldverdienens via Clickbait oder Ragebait nichts zu tun hat.

Woran erkennt man nun einen solchen Text?

  • Die Verbindungen innerhalb des Textes sind behauptet; weder schlüssig und tiefer erklärt, noch belegt durch Zitate.
  • Es ist keine persönliche Meinung zu spüren, keine Verbindung zur Person des Verfassers.
  • Wo das LLM nicht weiterkam, wurde abgekürzt oder behauptet: nur John Harris wird als weiterer Charakter erwähnt (obwohl sich ja eine Menge weiterer Charaktere anböten wie Ruth, Iwan, Grischa oder Rebecca), und es wird eine Mehrpersonen-Perspektive behauptet, die im Hörspiel gerade NICHT existiert:

Auch weitere Figuren wie Crewmitglieder, Kollegen und politische Akteure prägen die Welt der Serie. Sie erweitern das Umfeld von Brandis und sorgen dafür, dass die Geschichten nicht nur aus Einzelperspektiven bestehen.

  • Das Fehlen der Ich-Perspektive im Artikel führt zu einem Übergewicht an Passivformulierungen, was dem Text zusätzlich etwas Vages-Undefiniertes gibt.
  • Auch die unspezifisch lobende Aussage, also das Fehlen jeder Kritikpunkte, deutet auf ein LLM hin, das unter der Anweisung arbeitet, Artikel grundsätzlich positiv und damit „erfreulich“ zu formulieren, um den User zufrieden zu stellen. Denn es gäbe ja durchaus etwas an der Serie zu kritisieren, und da reicht ja ein Blick in den Wikipedia-Eintrag zu den „Weltraumpartisanen“. Aber davon hatte das LLM nichts übernommen.

Natürlich sind auch Menschen in der Lage, schlechte Texte zu schreiben. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Text von einer „K.I.“ verfasst wurde, steigt mit der Anzahl an Häkchen hinter jedem der aufgezählten Punkte. Hat man sich eine Zeitlang mit ihnen beschäftigt, wird das Auge geschulter.

Das wird in der Zukunft Gegenwart zunehmend wichtig sein.


Im Buch „Salomon 76“ übergaben die Regierungen der EAAU einer Lochstreifen-KI das Kommando über die Justiz. Die KI war ratternd-monoton und mit blinkenden Dioden ausgestattet, und sie sprach ihre Urteile mit einem bemerkenswerten Mangel an Sensibilität für das Prozedere guter Rechtsprechung. Trotzdem standen die Autoritäten und viele Bürger (auch Brandis) lange hinter der „Innovation“ und zögerten damit, Fehler einzugestehen.

Mit diesem Gedanken werde ich in Teil 2 der Serie weiter machen.

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