Ich hatte vor langer Zeit das Glück, auf einer Sternwarte in eine Planetariumsführung zu geraten, wo man ein Programm zum Thema ‚Overview‘ realisierte. Darin wurde das Erleben der Raumfahrer im Orbit, also „Wie die Erfahrung des Weltraums das menschliche Wahrnehmen, Denken und Handeln verändert“, in deren eigenen Worten in deutscher Übersetzung nachgesprochen und konnte so unter dem Planetariumshimmel zu sphärischen Musikclustern mitvollzogen werden. – Eine zwar vermittelte aber dennoch wirksame Form der Aneignung von Fremderfahrungen in den eigenen Erfahrungshorizont mit dem Potential, auch das Wahrnehmen, Denken und Handeln derer zu verändern, die nie in den Orbit geflogen waren. Nur nebenbei bemerkt: Dies ist auch ein sprechendes Beispiel für ein im Sinne des Kulturerbe-Status der UNESCO inspirierendes und begeisterndes Planetariumsprogramm; bestimmt haben es viele als eine überfällige Anerkennung empfunden, als im Frühjahr 2025 die weltweit in Planetarien geleistete Arbeit zur „immersiven Vermittlung der Natur und des Universums“ in das immatrielle Kulturerbe der Menschheit aufgenommen wurde.
Hier folgen einige Zitate von Astronautinnen und Astronauten, die damals – zumindest was die Apollo-Besatzungen betrifft – Teil des ‚Overview‘-Programms in jenem Planetarium waren.
Eugene Cernan (Kommandant von Apollo 17 und bis zur Abfassung dieses ‚Stundenschlags‘ der letzte Mensch, der auf dem Mond gewesen ist): „Von da oben siehst du nur die natürlichen Grenzen … nicht die von den Menschen geschaffenen. … Dies war eine der tiefsten, emotionalsten Erfahrungen, die ich jemals hatte.“
Edgar Mitchell (er betrat im Rahmen der Apollo 14-Mission als sechster Mensch den Mond): „Ich habe Astronomie und Kosmologie studiert und verstand [nun] völlig, dass die Moleküle in meinem Körper, im Körper meiner Kollegen und im Raumschiff aus der Entstehung von Sternen herrührten. Und aus diesen Beschreibungen war deutlich: wir sind Sternenstaub. Und das war einfach überwältigend und mächtig.“
In dem Film „Overview“ von Guy Reid, einer neunzehnminütigen Produktion aus dem Jahr 2012, wird deutlich, dass die Wirkungen des Overview-Effekts keinesfalls auf die Jahrzehnte direkt nach Apollo beschränkt blieben.
Ron Garan, der im Jahr 2000 als Astronaut ausgewählt worden war und im Zeitraum 2008 bis 2011 auf der ISS vier EVA-Einsätze absolvierte, berichtet in dem Film: „Wenn wir auf die Erde aus dem Weltraum herabschauen, sehen wir diesen erstaunlichen, unbeschreibbar schönen Planeten – der wie ein lebender, atmender Organismus aussieht. Aber gleichzeitig sieht sie sehr verletzlich aus. … Jeder, der einmal im Weltraum war, sagt dasselbe, denn es ist sehr eindrucksvoll, sehr ernüchternd, diese papierdünne Hülle zu sehen und zu realisieren, dass diese papierdünne Hülle jedes lebende Wesen auf der Erde vor dem Tode bewahrt, vor der Unwirtlichkeit des Weltraums.“
Leland Melvin, Materialwissenschaftler und Footballprofi, betreute das Educator Astronaut Program und war bei zwei Shuttle-Missionen dabei. Er formuliert sein Erleben folgendermaßen: „Es ist so unfassbar schön, dass man eigentlich neue Wörter bräuchte, die das beschreiben können. Man ist überwältigt.“
Roberta Bondar gehörte zum Astronautenkorps der kanadischen Raumfahrtagentur. Sie nahm an der achttägigen STS-42-Mission an Bord der Discovery teil. Im Rückblick sagt sie: „Einzig vom Weltraum aus begreift man die Erde als Realität. Diese Erfahrung hat mein Leben und meine Einstellung zum Leben verändert. Ich zähle zu den Glücklichen.“

Nicole Passonno Stott verbrachte mehr als einhundert Tage im Weltraum. Sie erklärt: „Wir haben eine besondere Verbindung zur Erde, sie ist unser Zuhause. Ich weiß nicht, wie man aus dem Weltraum zurückkommen und nicht verändert sein kann. … Jeder, der zurückkehrt, hat in seinen Erinnerungen verankert, wie der Planet aussieht. Das kann man nicht auf die leichte Schulter nehmen.“
Was machte, was macht diese Erfahrung mit den Menschen, die sie erleben durften? Oder macht sie gar nichts mit ihnen, was längerfristige Folgen zeitigen könnte, wie man vielleicht aufgrund der Ausführungen vor allem im Stundenschlag DREI befürchten muss? Spüren wir diesen Fragen im nächsten Stundenschlag weiter nach.
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