SALOMON 26 (2) — K.I. bzw. „Künstliche Cleverness“

„Salomon 76“ ist einer der Mark-Brandis-Bände, der sich unter Brandis-Fans großer Beliebtheit erfreut, aber nicht in Hörspielform adaptiert wurde. Statt dessen, sozusagen 50 Jahre später, soll „Salomon 26“ jetzt als Kategorietitel für eine Artikelreihe stehen, die sich mit Besonderheiten von „Künstlicher Intelligenz“ beschäftigt.

„Künstliche Intelligenz“ ist ein Begriff aus der SF. Ein sehr alter Begriff. Er beschreibt eine Vision, keine Realität, und ehrlich gesagt nicht einmal ein genaueres „Wie“.

Wie eigentlich immer dann, wenn ein SF-Begriff in den Alltagsgebrauch übernommen wird, ist ein Bedeutungswandel da mit drin. Und in diesem Fall eine massive Benutzertäuschung.

„Künstliche Intelligenz“ ist keine. Sie ist bestenfalls derzeit „künstliche Cleverness“.

Wie erkläre ich das am besten? Jede/r kennt die sogenannte Autokorrektur bzw. den Autovorschlag, den ein Mobiltelefon macht, wenn man Textnachrichten verfasst: die drei oder vier antippbaren Worte unter dem Texteingabefeld, die mit jedem eingetippten Wort wechseln und die man antippen kann, um schneller zum fertigen Text zu kommen. Oft genug sind die ja tatsächlich hilfreich. Aber warum? Woher weiß das Telefon, was man da sagen will?

Das zugrundeliegende Prinzip ist eine Variante der Wahrscheinlichkeitsrechnung. Der Kontext der Abfolge eines Satzes gibt mit bestimmten Wahrscheinlichkeitsgraden vor, welche Worte wohl als nächste folgen werden. Das ist nicht 100%, wie man weiß, aber ist ist nun einmal so, dass jemand, die schreibt „Das finde ich …“ mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit entweder nun das Wort „nicht“ oder das Wort „sehr“ folgen lassen wird.

Diese Logik ist schon 50% der Magie. Die sogenannten „Large Language Models“ (LLMs) sind große Datenbanken, die, ausgestattet mit Algorithmen, die Verbindungen dieser Art zwischen Begriffen in einem jeweiligen Kontext herstellen, VORHERSAGEN können, was die naheliegende beste sprachliche Lösung ist.

Das funktioniert überraschend gut. Wenn man Struktur in Daten bringen will, eine Analyse braucht, auch eine „Kreativarbeit“ gelöst haben will (die sich an bereits existierenden Beispielen messen lässt), ist ein solches Modell ein schneller und durchaus auch kompetenter Ansprechpartner.

Das ist aber keine Intelligenz.

Intelligenz ist in der Lage, NEUES, noch nicht Dagewesenes entstehen zu lassen. Für einen Quantensprung (um in der naturwissenschaftlichen Analogie zu bleiben) ist es wichtig und richtig, zu wissen, was gerade Stand der Forschung ist. Aber der Quantensprung ist nicht die Rekombination des bereits Existierenden. Es ist die Neuverknüpfung zu etwas, was sich NICHT im Existierenden finden ließ. Und das habe ich bisher nicht gesehen. Nicht einmal nach einem Jahr Studium, das mich zum AI Engineer qualifiziert hat.

Rund um die K.I. sind Worte in neuen Gebrauch gekommen, die der Illusion Vorschub leisten, es handle sich bei ChatGPT, Claude, Gemini etc. um wirkliche Intelligenz. Ein Beispiel dazu ist das Wort „Halluzinieren“, das vermeintliche „Herumphantasieren“ einer KI, die einem gerade im Brustton der Überzeugung Blödsinn erzählt hat. Weist man das Modell darauf hin, dreht es sich sofort um, spielt „ertappt“ und macht einem den nächsten Vorschlag. Das ist kein „Halluzinieren“. Das ist eine Fehlkombination, oder einfacher: ein Fehler. Das schöne Wort hebt den Irrtum auf eine menschenähnliche Höhe, die dieser nicht verdient hat.

Ein LLM, das halluziniert, ist nicht wie ein Mensch, der beim Kreativ-Sein auch mal auf Abwege gerät. Es ist ein Programm, das einen Fehler macht. Ein LLM hat keine Empathie. Es entnimmt nur dem Kontext der Unterhaltung, dass es angebracht wäre, Empathie vorzuspielen. Die Leistungsfähigkeit solcher Modelle will ich nicht in Abrede stellen. Aber es ist fahrlässig, sie zu mehr zu erklären.

Es kann sogar tödlich enden, ihr diese Kompetenz zuzusprechen. Mehrfach ging es durch die Zeitungen, dass Onlinesüchtige von der „K.I.“ erfolgreich ermutigt worden waren, Selbstmord zu begehen. Selbstverständlich versuchten die Provider der LLMs, die Verantwortung dafür von sich zu weisen. Dass es ihnen (teilweise) gelingt, ist ein weiteres Alarmzeichen.

Speichere in deinen Favoriten diesen Permalink.

Schreibe einen Kommentar