Noch zu Lebzeiten Nikolai von Michalewskys war ein Vertrag ausgehandelt worden, der dem “Children’s Publishing House” in Peking erlaubte, 10 Bücher der MB-Reihe ins Chinesische zu übersetzen. Auf der entsprechenden Seite dazu schrieb ich, dass markbrandis.de keine Sinologen beschäftige — aber inzwischen ist das ja kein Hindernis mehr, KI sei Dank.
Aber etwas erstaunt ist man schon über die Freiheit der Übersetzung der ersten Seite von „Bordbuch Delta VII“, oder?
| Deutsches Original | Rückübersetzung |
| Aus einem fremden, feindlichen Himmel kehrst du heim in die Welt der Menschen. Aber du warst schon so lange und so weit von ihr fort, und darum weißt du nicht einmal, ob deine Heimkehr dich freut oder dich schmerzt. Fast ist sie dir gleichgültig, und nur deine Disziplin läßt dich den Kurs unverändert weitersteuern, den du dir vor langer, langer Zeit errechnen ließest – draußen, in der grenzenlosen Leere, im kalten Licht niebetretener Sterne. So ungefähr war mir zumute, als der gedämpfte Summton der Anflugautomatik ertönte und mich – sehr zu meinem Unwillen – davon in Kenntnis setzte, daß Delta VII nicht länger ein einsamer Meteor im Weltraum war, sondern bereits ein von der Kontrollstation wahrgenommener und registrierter Flugkörper im überwachten Raum der Venus. Der Summton war ein Appell an die Disziplin. Er drang in meine Gleichgültigkeit ein und erinnerte mich an meine Pflichten. Ich warf einen Blick auf den optischen Richtungsgeber und sah nur bestätigt, daß mir kein Fehler unterlaufen war. In das Gewirr der zuckenden Linien kehrte auf geheimnisvolle Weise Ordnung ein: sie bündelten sich zum hell leuchtenden Leitstrahl, der von mir an die Führung übernahm. Ich hatte nichts anderes zu tun, als mich ihm anzuvertrauen. Genaugenommen, gab es an diesem Leitstrahl nichts Geheimnisvolles. Man konnte ihn auflösen in mathematische Formeln und technische Ursachen – aber das änderte nichts an dem Umstand, daß man ihn, wenn er sich aus dem Chaos allmählich formte, immer wieder als ein Wunder empfand. Meine Gleichgültigkeit verwandelte sich in Konzentration und Spannung, und wieder, wie so oft, verspürte ich die Last einer Verantwortung, die zu tragen und zu ertragen ich mich nie ganz gewöhnen konnte. Vor ein paar Monaten noch wäre der Summton, der mich alarmiert hatte, für mich ein Signal zum Aufatmen gewesen, doch mittlerweile hatte ich die Erfahrung machen müssen, daß ein Pilot besser daran tat, erst die Landung abzuwarten, bevor er aufatmete. Auf dem Radarschirm begannen sich die ersten Einzelheiten der Venus abzuzeichnen; die bläuliche Bergkette der Sierra Alpina und an ihrer Südflanke die silbrige Perlenschnur der Towns, wie man vereinfachend die dreizehn Städte nannte, die in den letzten vier Jahrzehnten hier gewachsen waren. Jede dieser Towns beherbergte zwischen drei und vier Millionen Menschen, und ihr Anblick bot wahrhaftig keinen Anlaß, sich alter Zeiten zu erinnern; doch jedesmal, wenn ich die Venus ansteuerte, mußte ich daran denken, was wohl jene Menschen vor mir bei ihrem Auftauchen empfunden haben mochten – damals, als es von diesem trostlosen Verbannungsort keine Wiederkehr gab. Neusibirien, wie die Venus damals noch hieß, war erst vor einem knappen Menschenalter von diesem Makel befreit worden. Wie viele Leiden, wie viele zerbrochene Hoffnungen mochte sie bis dahin gesehen haben, aber auch wieviel menschliche Größe und Tapferkeit. Auch mein Großvater väterlicherseits hatte dort seine letzten Jahre verbringen müssen, weil er der großen und reinigenden Revolution hatte vorgreifen wollen. Irgendwann hatte ich versucht, in einer sentimentalen Anwandlung, seinen Spuren in der Verbannung nachzugehen. Ich hatte nicht einmal sein Grab finden können. Alles war anders geworden. Nichts auf der Venus erinnerte mehr an jene schreckliche Zeit. Vom Radarschirm wanderte mein Blick hinüber zu den Armaturen. Es gab dort nichts, was ich hätte beanstanden müssen. Auch nach zweimonatiger harter Dauerbelastung arbeiteten Triebwerk und Automatik wie am ersten Tag. Bald würde Commander Harris ins Bordbuch eintragen können, daß der Testflug keine verborgenen Mängel aufgedeckt hatte, sondern im Gegenteil bestätigte, daß der Prototyp Delta VII zum Serienbau freigegeben werden konnte. Die letzte entscheidende Kurskorrektur war von Iwan Stroganow, dem Navigator, am frühen Vormittag dieses 22. September des Jahres 2069 am Computer errechnet worden, und ich hatte daraufhin die automatische Steuerung neu eingerichtet. Als Pilot war ich abgebrüht genug, um mich nicht von jeder technischen Neuerung beeindrucken zu lassen, doch diesmal mußte ich zugeben, daß die technische Ausrüstung von Delta VII eine bewunderswerte Leistung moderner Ingenieurskunst darstellte, in der alle Erkenntnisse der Elektronenforschung zusammengeflossen waren. In gewisser Weise machte es mir diese Vollkommenheit schwer, ein persönliches Verhältnis zu diesem Schiff zu gewinnen, das sich selbst mit eigener Intelligenz so mühelos seinen Weg durch die Unendlichkeit des Raumes suchte. Andererseits wußte ich nur zu gut, wie rasch es mit solcher Perfektion vorbei sein konnte – wenn das gellende Schrillen der Alarmglocken verkündete, daß das wohlausgeklügelte System des Zusammenspiels aller technischen Einheiten zusammengebrochen war. Wenn dieser Fall eintrat, dann hieß es, sich im Handumdrehen wieder an alles das zu erinnern, was man dereinst in unzähligen Lehrgängen gelernt hatte, und in Sekundenschnelle die richtigen Entscheidungen zu treffen und in die entsprechenden Kommandos und Aktionen umzusetzen. Gewiß, das kam nicht oft vor, denn eine Vielzahl von Sicherheitssystemen, die wiederum von einer Vielzahl anderer Sicherheitssysteme überwacht wurden, beugte dem vor – aber wenn das geschah, dann mußten Pilot und Besatzung hellwach sein. Das war eine der grundsätzlichsten Erkenntnisse der neuen Raumfahrt: Menschlicher Geist läßt sich auf die Dauer nicht ersetzen. Plötzlich überkam mich das Verlangen, aus meiner Einsamkeit auszubrechen und die kalte Welt der Sterne vollends hinter mir zu lassen. Ich versuchte es mit einem Scherz. „Jetzt können wir nur noch hoffen, Sir“, sagte ich, „daß die Jungs da unten uns gleich ‚reinholen. Ehrlich gesagt, ich würde nur allzugern mal wieder in ein saftiges Steak beißen.“ | „Die automatische Flugsteuerung ist außer Betrieb.“ Das Raumschiff kann in Serienproduktion gehen. Am 22. September 2069 führte Pilot Iwan Stroganow auf einer Rückflugroute zum Mars zum letzten Mal eine Berechnung durch. Auf Grundlage der Resultate dieser Berechnung stellte ich das automatische Flugsystem erneut ein. Als Pilot war ich durchaus ruhig. Denn ich wollte vor jeder technischen Neuerung zwar keine Scheu zeigen, doch diesmal ließ mich etwas Bestürzung nicht los: Eine große Zahl an Anzeigedaten auf der Instrumententafel zeigte, dass ich zum ersten Menschen werden könnte, der ein Raumschiff allein steuerte – und zugleich übernahm ich damit die Verantwortung für sämtliche Forschungsresultate im Bereich der Elektronik. Doch ich merkte auch klar: Die Lebensdauer dieser neuartigen Erfindungen konnte nur äußerst kurz sein. Sobald die Alarmglocke der Katastrophe ertönte, würde das von jenem Kontrollzentrum entworfene System vollständig zusammenbrechen. In diesem Moment musste ich unverzüglich alles abrufen, was ich gelernt hatte, und die richtige Entscheidung treffen, um sofort handeln zu können. Meiner Ansicht nach gehört zu den grundlegendsten Einsichten über die moderne Raumfahrt: Der menschliche Verstand ist in jedem Fall wertvoller als jede Instrumentierung. Ich hatte nie damit gerechnet, einen solchen Moment zu erleben: Ich wollte dem schrecklichen, eisigen Weltraum entrinnen und das kleine Raumschiff wieder in den sicheren Hafen bringen. Ich klappte die Sprechanlage auf. „Kapitän“, sagte ich, „wenn die Menschen am Boden uns nicht sofort abholen, sind wir verloren! Ehrlich gesagt, ich würde wirklich gern noch einmal eine Mahlzeit Rindfleisch mit Reisnudeln essen.“ |
