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FAQ
Interessantes über den Hintergrund, die Charaktere und die Entstehungsgeschichte, beantwortet von Nikolai von
Michalewsky:
Wie alt ist Mark Brandis zu Beginn der Buchreihe? Gibt es
biographische Daten zu ihm (Geburtstag, -ort, weiterer
Lebensweg)?
Zu Beginn der Buchreihe war Mark Brandis 38 Jahre alt, genau wie ich; überhaupt war er mein Zwillingsbruder im
Geist: geboren am 17.1.2031 in der Mark Brandenburg. Er blieb mir immer ein exaktes Jahrhundert voraus. Mit
mir zusammen machte er seine Erfahrungen, mit mir zusammen betrachtete er die politischen und
gesellschaftlichen Entwicklungen, ebenso wie den menschlichen Drang, alles zu machen, was machbar ist. Als
ich daran ging, MB zu entwickeln, steckte ich noch tief in der Taucherei und in der Welt der Seefahrt. Von daher
übertrug ich ebenso Gefühle als auch Strukturen.
Wie viele
autobiographische Erfahrungen
stecken im gesamten Zyklus? Die Parallelen von Smith zu Hitler zum
Beispiel sind unübersehbar. Wie wurde in diesem Zusammenhang die Figur MARK BRANDIS entworfen?
Mark Brandis ist mein Zwilling. Ich lasse ihn denken und sprechen, was ich selbst denke. Man beachte: viele
seiner Empfindungen lassen sich übertragen in die dunklen Tiefen des Meeres, in denen ich mein erstes Geld
machte. Auch kann man sagen: ich projizierte mich selbst von unten nach oben, aus dem Jetzt in die Zukunft,
aus dem Meer ins Weltall. So entstand Mark Brandis.
Gab es eine
»lebende Inspiration« für Ruth O’Hara?
Ruth O’Hara ist letztlich das Produkt meiner Erfahrungen mit Frauen. In meinen früheren Büchern erscheinen
Frauen hauptsächlich als lästiges Beiwerk in Form von Sexualobjekten. Erst als ich der Frau begegnete, mit der
ich auch heute noch mein Leben teile, entstand das neue Bild, das Bild der Gefährtin. Ruth O’Hara ist sozusagen
die in die Darstellungsweise der Comics gesteigerte Quintessenz davon.
Entsprachen die
Zeichnungen von Robert André
in etwa Ihren Vorstellungen? Gab es überhaupt Absprachen
zwischen Ihnen und ihm zu den Illustrationen?
Seine Zeichnungen entsprachen durchaus nicht meinen Vorstellungen, aber allmählich gewöhnte ich mich an sie;
und irgendwann gehörten sie dazu und wurden zum Markenzeichen. Absprachen gab es nicht, alles lief über den
Verlag; und dieser entschied. Nur einmal hörte er auf mich, als ich ein Cover strikt ablehnte.
Gibt es Autoren, die Sie zum
Vorbild
erkoren haben? Woher haben Sie diesen für die Fantasy/Science-Fiction
untypischen Stil
, die Geschichten auf das Wesentliche zu reduzieren und lieber einen Strich zuwenig als einen zuviel
zu machen?
Beeinflußt haben mich zwei amerikanische Autoren: Hemingway und Haycox. Der »untypische Stil« rührt von den
Kurzgeschichten her, mit denen ich einmal eine Yacht finanzierte. Damals lernte ich, mich auf das Wesentliche
zu konzentrieren und allen barocken Zierat wegzulassen.
MB wurde 2070 »geboren«. Dieses 2070 war hochtechnisiert, mit märchenhaft entwickelter Raumfahrt, Terraforming
und mit zwei gigantischen, hochzentralisierten Machtblöcken.
a) Wie stellen Sie sich die Gesellschaft im Jahr 2070
nun vor, da 30 Jahre vergangen sind? b) Wie stellen Sie sich die
Entwicklung der Raumfahrt bis dahin vor?
Zu a): Wachsamkeit ist geboten. Die Gesellschaft droht zu zerfallen in einen Scherbenhaufen von persönlichen
wie auch politischen Egoismen oder aber, wenn dem nicht entgegengewirkt wird, in der Ordnung einer
diktatorischen Hand zu enden.
Zu b): Sollte es sich kommerziell lohnen, dürfte die Raumfahrt (auch bemannt) sich weiter auf unser
Planetensystem ausweiten. Die unbemannte Raumfahrt wird uns vor ungeahnte Erkenntnisse stellen.
Über welche
Voraussagen zur Zukunft
schreiben Sie sich Weitsicht zu? Bei welchen Aussagen lagen Sie meilenweit
daneben?
Die Globalisierung gibt mir in vielem recht, aber leider auch der unselige Hang zum Separatismus. Die Welt droht
zu zerfallen in einige wenige Großblöcke und einen Flickenteppich von Kleinststaaten, die aus eigener Kraft nicht
lebensfähig sind und deshalb eine kriminelle Gefahr für Ihre Umgebung darstellen. Im Übrigen glaube ich, daß
die asiatische Bedrohung noch kommen kann. Nicht erkabnnt habe ich die Politisierung des Islams. Geirrt habe
ich mich in der Einschätzung Afrikas, das doch seine intellektuelle Entwicklung den europäischen
Kolonialmächten verdankt.
Halten Sie heute immer noch an den rigiden, armeeähnlichen
Strukturen auf einem Raumschiff fest? haben endlich
weibliche Astronauten eine Chance?
Warum sollten weibliche Astronauten keine Chance haben? Aber auch die Soldatinnen der Bundeswehr müssen
sich der Kommandodistziplin unterwerfen. Ein Schiff - auf See ebenso wie im Raum - bedarf nun einmal klarer
und eindeutiger Entscheidungen. Es ist nun einmal kein Debattierclub.
Halten Sie die Einführung einer allesvereinenden
Uni-Sprache wie das »Metro« für realistisch?
Wir sind doch schon auf dem Weg zur Uni-Sprache, und das ist Englisch. Mir persönlich wäre eine Sprache lieber,
in der sich ganz Europa wiederfände.
SF-Meilensteine
wie »Blade Runner«, »Star Wars« oder der ganze Cyberpunk à la Gibsons »Neuromancer«
entstanden zum Teil weit nach dem Beginn des MB-Zyklus. Was halten Sie von ihnen?
Was ich davon halte? Nicht viel. Zu viel Beiwerk um zu wenig Kern. Das menschliche Element kommt zu kurz.
Was halten Sie von der
Rechtschreibreform?
Hier geschah etwas, das mir zu denken gibt und mich den Mechanismus des Dritten Reiches verstehen macht:
obwohl es in der Hand der Printmedien lag, diese überflüssige und chaotische »Reform« durch bloßes Verweigern
ins Nichts laufen zu lassen, begnügten sie sich mit halbherzigem Gemecker und legten dann doch die Finger an
die Hosennaht, fügten sich dem Diktat volksferner Politschranzen und ließen sich gleichschalten. Gleiches gilt für
den deutschen Einsatz im Kosovo: Kadavergehorsam...
Gab es oder gibt es einen
MB-Fanclub?
Da mich der Verlag nach allen Seiten hin abschirmte, erfuhr ich viel zu spät von den Aktivitäten einiger Fanclubs,
um noch aktiv einsteigen zu können. Einer der wohl rührigsten MB-Fans dürfte Volker Niemeyer gewesen sein,
den persönlich kennenzulernen mir bislang leider versagt blieb. Er gab das Magazin DELTA VII heraus.
Wenn Sie sich vorstellten, ein Komponist Ihrer Wahl würde eine
Musik zur Serie schreiben - wer sollte es sein?
In der einschlägigen Musikszene nicht bewandert, kann ich auf diese Frage nur antworten: macht Vorschläge
!
Gab es jemals Absichten, aus MARK BRANDIS einen
Film zu machen?
Es gab Eintagsfliegen, die ebenso rasch, wie sie auftauchten, vom Filmmarkt verschwanden, noch bevor etwas
spruchreif wurde. Ein »Produzent«: “Geben Sie mir 20.000.- DM, und wir fangen morgen an!”
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